Wandel ist der Alltag des Lebens


Wer heute von Wandel redet, spricht oft von „change“ und dieser „change“ muss gemanagt werden. Fast so, als wäre „change“ ein außergewöhnliches Ereignis, das bewältigt werden muss oder sofortige Hilfsmaßnahmen erfordert.

Change geschieht – er ist keine Krise!

Dabei ist Veränderung das Natürlichste im Leben. Leben ist und bleibt in ständiger Bewegung und fordert uns heraus, selbst in den Wandel, in die Veränderung, ins Wachstum zu gehen.

Die Natur macht es uns vor

Wer schon mal einen Obstbaum gepflanzt hat, erlebt es hautnah:

Wachstum geschieht von selbst, Leben strebt immer nach Entfaltung –
unsere Aufgabe dabei ist es, eine wachstumsförderliche Umgebung zu gestalten.

Wir können die Jahreszeiten, die Wetterlage, die natürlichen Gegebenheiten nicht beeinflussen – doch können wir sehr wohl dafür sorgen, dass der Standort, die Bodenbeschaffenheit und die benötigten Nährstoffe dem Wachstum zuträglich sind.

Wir werden auch die Jahreszeiten achten, denn niemand mit gesundem Menschenverstand erwartet, dass ein Baum im Winter Früchte trägt!

Im menschlichen Leben unterliegen wir ganz oft genau diesem Trugschluss. Wir erwarten, dass uns beständig Glück und Freude begleiten, dass es linear (am besten noch mit einer Seilbahn) bergauf geht – wir sind fast ein bisschen beleidigt, wenn das Leben uns  Zumutungen und Schwierigkeiten schickt.

Leben besteht aus Genuss- und Wachstumsphasen

Es ist das Privileg des Sommers, das Heitere, Lebendige und die Fülle zu erleben – im menschlichen Leben ist das die Genussphase, die uns einfach nur glücklich macht.

Und wir wissen ganz genau, dass es die andere Seite, den Winter braucht: Die Dunkelheit, die frostigen Tage, die uns zur inneren Ruhe finden lassen und Kräfte zu zentrieren, in denen wir nachdenken und neue Ideen als Samen grundlegen können. Das ist die Wachstumsphase.
In der landwirtschaftlichen Struktur, die ja den natürlichen Abläufen noch am nächsten steht,  war es die Zeit der Muse und der kreativen Tätigkeiten wie Musik, Handarbeit, Handwerk.

Vielleicht würde in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik manches besser laufen, wenn wir diesen natürlichen Rhythmen wieder den ihnen gebührenden Raum geben würden …

Leben IST Change: Werden, Vergehen – und wieder neu werden!

Wer diesen Kreislauf verstanden hat, kann manches im menschlichen (und auch im gesellschaftspolitischen) Leben natürlicher nehmen und gestalten, muss nicht ständig auf der Glückswelle reiten. Ebenso können wir manches reifen lassen und müssen nicht „am Gras ziehen, damit es schneller wächst“.

Jede Jahreszeit, jede Lebensphase, jedes Geschehen macht Sinn – mal im Sinn von Genuss, mal im Sinn von Wachstum!